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ELSA-Freiburg Strafrechts Moot Court 2015

erstellt von ELSA Freiburg e.V. |

Alle Jahre wieder... ermöglichte ELSA-Freiburg einigen Erstsemestern die einzigartige Möglichkeit einen Moot Court bereits am Anfang des Studiums zu absolvieren. Im OLG Karlsruhe, Außenstelle Freiburg verhandelten Anfang Februar je drei Staatsanwälte und Verteidiger über eine Strafsache, welche Schillers „Die Räuber“ nachempfunden ist.

Der Adlige Karl von Moor bekommt zu hören, dass sein Bruder Franz von Moor seinen Vater auf dem eigenen Schloss gefangen hält. Zornig und entsetzt ruft er seine beiden Handlager, Spiegelberg und Grimm zu sich und beauftragt sie, seinem Bruder die „Liberté“ zu nehmen, so wie dieser es mit seinem Vater gemacht habe. Kurze Zeit später brechen sie zum Schloss auf, es wird Alkohol getrunken – und am Ende ist Franz tot. Grimm und Spiegelberg werden von der Polizei gefasst und kommen beide in Untersuchungshaft – Es ist unrecht geschehen! Was ist passiert? Wer hat Franz von Moor getötet und wer steckt dahinter?

Nachdem die Staatsanwälte und Verteidiger in Vorbereitung auf die Verhandlung schon eine Anklage- und je eine Verteidigungsschrift geschrieben und zu Gericht eingereicht hatten, beginnt nun die Verhandlung mit einem gemeinsamen Plädoyer der Staatsanwälte. Darin sehen sie die Schuld von Grimm und Spiegelberg als erwiesen an, während Karl von Moor als Anstifter fungiert habe. Können ihre VerteidgerInnen ihren Freispruch erlangen?

Es schließt sich die Befragung der Personen zu ihrem Lebensweg an. Karl von Moor ist als Bruder des Toten auf dem Schloss aufgewachsen, kommt also aus guten Verhältnissen und ist gebildet. Moritz Spiegelberg ist Bade und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser- unter anderem als „Sicherheitsbeauftragter“ von Karl. Richard Grimm ist ein ungebildeter Holzfäller der ebenfalls in dieser „Räuberbande“ Anschluss sucht.

Viele Fragen bezüglich des Tathergangs sind zu klären: Konnten die beiden Tatausführenden den Auftrag von Karl von Moor richtig verstehen? Was meinte er als er das Wort „liberté“ verwendete? Schließlich waren sie beide des Französischen nie mächtig. Sie legten die Worte des Franz offenbar als Auftrag zur Tötung des Karls aus. Ist Spiegelberg in Amalia Edelreich, die Verlobte von Karl, verliebt und hatte daher ein Motiv? Spiegelberg bestreitet das und gibt auch an, dass er den Auftrag von Karl nicht richtig verstanden habe. Er wollte aber auch nicht nachfragen, da dieser sehr zornig geworden sei und er Angst um sein eigenes Leben hatte. Daher sah Karl in der Aussage des Karl den Auftrag zur Tötung von Franz. Grimm entgegnete, dass er niemals einen Menschen umbringen könne. Er habe deshalb so viel Blut auf seiner Kleidung gehabt, weil er versucht habe, die Blutung zu stillen – die Sachverständige der Rechtsmedizin erklärte im Zeugenstand, es sei auch möglich, dass die Blutspuren daher kamen. War es so? Und hatte Spiegelberg die Möglichkeit sich die Hände zu waschen? Amalia Edelreich konnte bei alldem nur Schatten erkennen, sie hörte die Schreie und Kampftöne, traute sich aber nicht einzugreifen. Karl traue sie den Mord auf keinen Fall zu. Sowohl Grimm als auch Spiegelberg waren zur Tatzeit alkoholisiert – Grimm jedoch deutlich mehr.

Nach der langen Beweisaufnahme und der Zeugenvernehmung hielten die Staatsanwälte ihre Schlussplädoyers. Für Karl verlangten sie aufgrund der Anstiftung zum Mord, in Tateinheit mit Hausfriedensbruch und der Nötigung von Grimm und Spiegelberg lebenslänglich. Auch für Spiegelberg und Grimm verlangten sie lebenslänglich, da sie die Tat gemeinsam ausgeführt hatten.

Die Verteidiger hielten in ihren Plädoyers mit ihren Argumenten dagegen und verlangten für alle Angeklagten Freisprüche.

Der Vorsitzende Richter Bellm (LG Freiburg) beriet mit seinen beiden Schöffen – ausnahmsweise – öffentlich das Urteil. Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass Grimm und Spiegelberg in Mittäterschaft den Franz von Moot getötet hatten. Für Totschlag in Mittäterschaft, sowie Hausfriedensbruch bekam Spiegelberg eine Haftstrafe von 8 Jahren auferlegt; Grimm, der sich des Totschlags und des Hausfriedensbruch in Mittäterschaft, sowie der Sachbeschädigung strafbar gemacht hatte, bekam allerdings nur 5 Jahre, aufgrund seiner verminderten Schuldfähigkeit durch seinen hohen Blutalkoholwert; Karl von Moor hat sich der Anstiftung zum Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung  strafbar gemacht. (Geldstrafe).

Im Anschluss an diese spannende Verhandlung, die von Richter Bellm als „sehr professionell vorbereitet und durchgeführt“ bezeichnet wurde, konnten die etwa 40 Zuschauer und Teilnehmer noch Fragen loswerden. So bot ELSA-Freiburg zum Abschluss des Semesters einen spannenden und praxisnahen Einblick in das Strafrecht.

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